Wie gläsern sind wir Bürger wirklich?

Der Datenschutz wird in Deutschland groß geschrieben, so groß dass die Bürger oft nicht sehen, was hinter seinem Deckmantel wirklich passiert. Schon heute sind wir nicht nur für den Staat fast komplett gläsern, sondern auch für Unternehmen sind die Bürger im Land ein offenes Buch. Der Staat arbeitet mit privaten Unternehmen zusammen und kennt teilweise die Funktionen der eingekauften Programme nicht vollständig, doch Informationen hierzu gelangen in der Regel nicht an die Öffentlichkeit und damit bleiben auch die Proteste aus.

Volkszählung und Lauschangriffe

Im letzten Jahr konnte man im Zuge der Volkszählung beobachten, dass das Interesse für die Volkszählung nur sehr gering war und von Protesten wie bei der Zählung 1987 konnte man nichts mehr spüren. Dabei waren in den Bögen Fragen enthalten, die man in der Regel nicht einfach beantwortet, doch der Staat brauchte diese Daten ja für die Zukunftsplanung. Daneben belauschen die Bundesländer mit großem Aufwand immer wieder ihre Bürger, doch da die meisten Lauschangriffe nicht an die Öffentlichkeit geraten, ist auch hier das Echo nur sehr gering. Nicht nur das Telefon wird dabei überwacht, denn mit dem Computer eines „Verdächtigen“ lassen sich wesentlich einfacher sensible Informationen einholen. Sogar hochverschlüsselte Internettelefondienste können mit einer speziellen Software entschlüsselt werden, die einfach auf dem Rechner des Verdächtigen installiert werden. Die Behörden kaufen diese Programme von privaten Unternehmen und wissen nicht einmal, was genau diese Software im Zuge einer Onlinedurchsuchung leisten kann.

Gesetze werden „heimlich“ geändert

Bei der Fußball-Europameisterschaft sollte das neue Meldegesetz während des Halbfinales mit deutscher Beteiligung verändert werden. Man beschloss innerhalb einer Minute, dass künftig Werbetreibende und Adresshändler die Daten von Privatpersonen einholen können, wenn diese nicht im Vorfeld widersprochen haben. Nachdem dies ein paar Wochen später eine große Welle in den Medien verursacht hatte, soll aus dem Widerspruchsgesetz nun doch ein Einwilligungsgesetz werden. Welche Fäden hier im Hintergrund gezogen wurden, lässt sich anhand der Aussage des Bundespräsidenten erahnen, hilflos umschreibt, wie Gesetze in Deutschland verändert werden können. Laut seinen Angaben war das neue Meldegesetz ursprünglich als Einwilligungsgesetz geplant. Das bedeutet, die Bürger hätten erst ihr Einverständnis erteilen müssen, bevor Adresshändler ihre Daten erhalten können. Am Vorabend des Beschlusstags wurde dann allerdings im kleinen Kreis aus dem Einwilligungsgesetz ein Widerspruchsgesetz, bei dem die Bürger erst aktiv widersprechen müssen, wenn sie ihre Daten Händlern nicht zur Verfügung stellen wollen und die wenigen Abgeordneten, die am Beschlusstag anwesend waren, hätten die kurzfristige Änderung wahrscheinlich in der Fülle ihrer aktuellen Unterlagen nicht gelesen. Schließlich würden sie täglich mehrere Seiten zur Durchsicht erhalten.

Soziale Netzwerke sammeln Daten

Im Internet geben die Bürger offenbar nur zu gern Privates preis. Bilder vom letzten Urlaub werden brav mit Informationen zu Ort und darauf zu sehenden Personen veröffentlicht und viele Seiten von Unternehmen werden „gelikt“, was der Werbebranche die Erstellung eines Profils natürlich wesentlich erleichtert. Werbeanbieter setzen auf einer Webseite zum Teil mehr als 60 Cookies. Das sind kleine Programme, die festhalten, welche Webseiten mit einem Rechner besucht wurden und so können die Unternehmen die Werbung zielgenau schalten und erhalten höhere Klickraten, die ihnen mehr Geld aus Konto spülen. Wer auf der Suche nach einem neuen Girokonto ist, findet hier garantiert ein attraktives Angebot, denn seriöse Webseitenbetreiber müssen nicht versteckt Daten sammeln, doch fast jeder Besuch im Netz hinterlässt Spuren, aus denen sich ein Profil erstellen lässt. Versuche haben ergeben, dass Nutzer von sozialen Netzwerken schon nach ein paar Wochen so viele Spuren hinterlassen, dass vom Familienstand über den Job bis hin zu den Freizeitgewohnheiten alles dokumentiert werden kann. Neben den Interessen eines Users werden seine Lebensumstände und seine sozialen Kontakte als Datenpakete gesammelt und die Werbebranche frohlockt, weil das größte soziale Netzwerk ihnen alles komprimiert liefert, was sie sonst in mühevoller Kleinarbeit zusammentragen müssten.

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