Hohe Dispozinsen trotz niedrigem Leitzins – können Verbraucher sich wehren?

Die EZB (Europäische Zentralbank) hat den Leitzins im Juli 2012 auf 0,75 Prozent gesenkt. Das ist der niedrigste Stand seit es die Währungsunion gibt und man müsste meinen, dass auch Verbraucher und Unternehmen, die Geld leihen wollen, davon profitieren können. Die Banken können sich schließlich für sehr geringe Zinsen Geld bei der EZB leihen und müssten zumindest einen Teil davon an ihre Kunden weitergeben, doch das ist nicht der Fall. Das Bundesministerium hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass die Zinsen für Dispokredite deutlich zu hoch sind.

Im Schnitt zahlen die Deutschen 12,4 Prozent Dispozinsen

Im Herbst 2011 verlangten die Banken im Schnitt satte 12,4 Prozent Zinsen für Dispokredite. Das hat die Stiftung Warentest erhoben und es gab sogar eine Bank, die mehr als 18 Prozent verlangte. Die Warentest-Bankexpertin kam zu dem Schluss, dass das derzeitige Zinsniveau deutlich unter 10 Prozent liegen müsste, da der Leitzins zur Zeit äußerst niedrig ist und die Banken sich extrem günstig selbst Geld leihen können. Die Banken argumentieren allerdings damit, dass die Abwicklung der kleinen Kredite mit hohen Kosten verbunden wären und es auch ein großes Ausfallrisiko gäbe. Die Experten aus der Studie kommen allerdings zu einem anderen Ergebnis und beziffern die Ausfallrate bei Dispokrediten mit nur 0,3 Prozent. Normale Konsumentenkredite hingegen haben eine Ausfallrate von 2,5 Prozent, so die Studie. Zudem habe sich der Verwaltungsaufwand für Dispokredite in den letzten Jahren nicht erhöht und damit seien die Argumente der Banken hinfällig.

Gesetzliche Obergrenzen soll es nicht geben

Kurzzeitig hatte man überlegt, ob eine gesetzliche Obergrenze bei den Dispozinsen sinnvoll sein könnte, doch Experten raten davon ab. Man sieht darin die Gefahr, dass sich die Banken dann an der Obergrenze orientieren könnten und damit auch die bisher günstigen Anbieter ihre Zinsen erhöhen würden. Außerdem könnten die Banken sich das Geld auf anderen Wegen wiederholen und so vielleicht Gebühren erhöhen. Da diese Argumentation durchaus nachvollziehbar ist, wird es nicht zur Festlegung einer gesetzlichen Obergrenze für Dispozinsen kommen und die Verbraucher selbst müssen sich wehren.

Planen mit Köpfchen und auf Konsumentenkredite ausweichen

Wenn die Verbraucher selbst entscheiden, bei welcher Bank sie ihr Girokonto eröffnen und dabei das Angebot mit den niedrigsten Dispozinsen wählen, regulieren sie den Markt damit. Das zumindest ist die Idee der Regierung. Günstige Anbieter erhielten dann mehr Kunden, während sie teuren Anbietern davonlaufen. In der Praxis sieht das aber oft anders aus, denn die Verbraucher eröffnen kein Konto mit dem Vorsatz es zu überziehen. Sie wählen ihre Bank nach anderen Kriterien wie der persönlichen Beratung oder nutzen kostenlose Girokonten für ihren täglichen Zahlungsverkehr. Wenn dann das Konto überzogen werden muss, nimmt man die Zinsen dafür in Kauf, weil keine Zeit mehr zum Vergleichen der Angebote bleibt und bei neu eröffneten Konten in der Regel eine Überziehung nicht möglich ist. Oft wird das Konto dann jeden Monat ein Stück weiter überzogen, bis nach einem halben Jahr der Dispo bis zum Anschlag ausgereizt ist und monatlich dicke Zinszahlungen anfallen, die das Konto zusätzlich belasten.

Trotzdem können Verbraucher die Preispolitik der Banken beeinflussen und die Spitzenreiter bei den Dispozinsen einfach meiden oder stattdessen auf Konsumentenkredite setzen. Online lassen sich die Angebote beispielsweise im Vergleich auf dieser Seite ganz einfach gegenüberstellen und so findet jeder das optimale Angebot für seine persönlichen Verhältnisse. Wer bewusst darauf verzichtet, sein Girokonto zu überziehen und lieber langfristig mit Krediten arbeitet, kann etliche hundert Euro im Jahr sparen und verhindert so das ständige Abrutschen in die Miesen auf dem Girokonto. Wer also bereits jetzt weiß, dass er am finanziellen Limit lebt und unvorhergesehene Rechnungen größere Schwierigkeiten verursachen könnten, sollte bereits frühzeitig überlegen, ob im Ernstfall ein Konsumentenkredit besser wäre als das Überziehen des Girokontos.

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