Apotheken stellen sich dem Wettbewerb

Das gestiegene Bewusstsein der Bevölkerung für Umwelt und Gesundheit ist kein deutsches Phänomen, sondern ein internationaler Trend. Die Zeiten, in denen nur nach einem Gang zum Arzt das Thema Gesundheit auf der individuellen Tagesordnung stand, sind endgültig vorüber. Vielen Menschen ist das körperliche Wohlbefinden so viel Wert, dass sie auch Geld dafür ausgeben. Damit ist einer der größten Wachstumsmärkte der letzten 20 Jahre entstanden.
Mit den gestiegenen Ansprüchen der Kunden ("Patienten" ist im Zusammenhang mit dem Gesundheitsmarkt schon nicht mehr das richtige Wort) haben sich auch die Ansprüche an die Leistungen der medizinischen Versorgung erhöht. Nicht erst, seitdem die Gesundheitsreform alle Bürger über den Krankenkassenbeitrag hinaus zur Beteiligung an den Kosten verpflichtet, wollen die Verbraucher wissen, was sie für ihr Geld bekommen. Dabei hat eine Umschichtung in den Ausgaben stattgefunden. Was wirklich gut und teuer für die eigene Person ist, entscheiden die Kunden in der Mehrheit allein für sich.
Die Apotheke traditioneller Prägung hat in dem sich wandelnden Markt einen schweren Stand. Da die gesundheitliche Grundversorgung jeden Patienten zusätzliches Geld kostet, achtet er natürlich auf preiswerte Medikamente. Generika erfüllen ihren Zweck genau so wie teure Pharma-Marken. Damit sind natürlich auch Verluste in der Bilanz der Apotheken verbunden. Geht es an die höheren Ausgaben für die eigene Gesundheit, wenden sich die Verbraucher eher an Wellness-Einrichtungen, Fitness-Trainer oder Vertriebsketten, die besondere Spezialprodukte anbieten. Dann büßen die Apotheken ein zweites Mal ein. Für die Apotheker gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder folgen sie dem "Doc-Morris-Prinzip" mit einer Steigerung des Umsatzes im unteren Preisbereich oder sie setzen ihre Kompetenz auch in einer neuen Art der Kundenbetreuung um. Dazu gehören mehr Angebote über das reine Arzneimittel-Repertoire hinaus und Aktivitäten, die den Kunden den Eindruck vermitteln, dass sie mit all ihren individuellen Fragen gut aufgehoben sind. Die Kompetenz dazu hat das deutsche Apothekergewerbe in jedem Fall.

